Anwaltskanzlei Hamberger
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Verschiedenes

Bundesnachrichtendienst muss Speicherung und Nutzung der Metadaten von durch Art. 10 GG geschützten Telefonverkehren in der Datei VERAS unterlassen

 

Pressemitteilung Nr. 86/2017 vom 14.12.2017
Pressemitteilung Nr. 86/2017 vom 14.12.2017

Pressemitteilung

Nr. 86/2017 vom 14.12.2017

 

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat den Kla­gen ei­nes Rechts­an­walts und ei­nes Ver­eins auf Un­ter­las­sung der Spei­che­rung und Nut­zung von Me­ta­da­ten (Ver­bin­dungs­da­ten) aus ih­ren Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­keh­ren in der vom Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) be­trie­be­nen Da­tei VE­RAS (für: Ver­kehrs­da­ten­ana­ly­se­sys­tem) teil­wei­se statt­ge­ge­ben.

 

In der Da­tei VE­RAS spei­chert der BND Te­le­fo­nie-Me­ta­da­ten aus lei­tungs­ver­mit­tel­ten Ver­keh­ren mit dem Aus­land und nutzt sie für nach­rich­ten­dienst­li­che Ana­ly­sen. So­weit die Da­ten - wie u.a. Te­le­fon­num­mern - für sich ge­nom­men in­di­vi­dua­li­sier­bar sind, an­ony­mi­siert sie der BND vor der Spei­che­rung. Die Da­ten er­langt der BND aus An­lass der stra­te­gi­schen Fern­mel­de­über­wa­chung, der Aus­land-Aus­land-Fern­mel­de­auf­klä­rung und des Aus­tau­sches mit an­de­ren Nach­rich­ten­diens­ten.

 

Da in VE­RAS kei­ne Me­ta­da­ten aus In­ter­net- und E-Mail-Ver­keh­ren ge­spei­chert wer­den, sind die Kla­gen nur hin­sicht­lich der Te­le­fo­nie-Me­ta­da­ten zu­läs­sig. In­so­weit sind die Kla­gen auch be­grün­det. Die Klä­ger kön­nen die Spei­che­rung und Nut­zung ih­rer Te­le­fo­nie-Me­ta­da­ten auf Grund des öf­fent­lich-recht­li­chen Un­ter­las­sungs­an­spruchs ab­weh­ren.

 

Die Er­he­bung, Spei­che­rung und Nut­zung von Te­le­fo­nie-Me­ta­da­ten grei­fen un­ge­ach­tet der vor der Spei­che­rung durch den BND vor­ge­nom­me­nen An­ony­mi­sie­rung in das Fern­mel­de­ge­heim­nis nach Art. 10 Abs. 1 GG ein. Da­her sind die­se Ein­grif­fe nur zu­läs­sig, wenn die Er­he­bung der Da­ten und ih­re wei­te­re Ver­wen­dung auf ei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge ge­stützt wer­den kann. An ei­ner sol­chen ge­setz­li­chen Re­ge­lung fehlt es ge­gen­wär­tig.

 

Ins­be­son­de­re kom­men die Re­ge­lun­gen zur stra­te­gi­schen Fern­mel­de­über­wa­chung nach dem Ge­setz zur Be­schrän­kung des Brief-, Post- und Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses (G 10) nicht zur An­wen­dung. Zwar er­hebt der BND die­se Da­ten aus An­lass ei­ner sol­chen Über­wa­chung. In § 5 G 10 fin­det sich ei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge für die­se Ein­grif­fe aber nur in­so­weit, als der BND Me­ta­da­ten eben­so wie In­halts­da­ten er­he­ben darf, um sie an­hand von förm­lich fest­ge­leg­ten in­halt­li­chen und for­ma­len Such­be­grif­fen aus­zu­wer­ten und so Er­kennt­nis­se über den In­halt von Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­keh­ren zu er­hal­ten. Die­se Er­kennt­nis­se kön­nen als In­for­ma­tio­nen im Hin­blick auf ab­schlie­ßend um­schrie­be­ne Ge­fah­ren­be­rei­che ge­nutzt wer­den. Die dar­über hin­aus­ge­hen­de Pra­xis der Spei­che­rung und Nut­zung von Te­le­fo­nie-Me­ta­da­ten ist von die­sem Zweck der Da­ten­er­he­bung nicht ge­deckt. An der Rechts­wid­rig­keit die­ser Pra­xis des BND än­dert die vor der Spei­che­rung er­folg­te An­ony­mi­sie­rung der Da­ten der von Art. 10 GG ge­schütz­ten Per­so­nen nichts. Die­se steht der ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­nen Lö­schung nicht gleich.

 

Auch die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen der Aus­land-Aus­land-Fern­mel­de­auf­klä­rung und der Zu­sam­men­ar­beit mit aus­län­di­schen Nach­rich­ten­diens­ten ent­hal­ten hier­für kei­ne Rechts­grund­la­ge.

 

BVer­wG 6 A 6.16 - Ur­teil vom 13. De­zem­ber 2017

BVer­wG 6 A 7.16 - Ur­teil vom 13. De­zem­ber 2017

Paragraf zu "Majestätsbeleidigung" ist abgeschafft

 

§ 103 StGB reglementierte bisher die Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten. Der Bundesrat sowie die Bundesregierung haben beschlossen, dass der sogenannte Majestätsbeleidigungsparagraf abgeschafft wird.

 

Im Bundesgesetzblatt wurde entsprechendes Gesetz verkündet, das am 01.01.2018 in Kraft tritt.

 

Der nahezu in Vergessenheit geratene § 103 StGB fand durch ein von dem Satiriker Jan Böhmermann über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan medial vorgetraenes "Schmähgedicht" wieder Beachtung.

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